Shadowrun-HH

Ultraleicht ist uns gerade schwer genug

Hallo Tagebuch, du bist sicher schon gespannt, wie die Geschichte von Artie dem lustigen Zauberer und seinen bescheuerten Freunden weitergeht. Ist ja aber auch immer ebenso spannend wie lehrreich.
Also, los geht’s:

Dieses Kapitel beginnt damit, dass unser Okumat es endlich schafft, Dietrichs Textfragmente vollständig zu entschlüsseln. Offenbar hat Dietrich Beweise für Brackhavens Schuld an dem Ork-Massaker unter dem Codenamen „Morgengrauen“ gefunden. Leider wurde er wohl itsy-bitsy-irre, bevor er sie verwenden konnte. Und das hat ihn dann ja quasi zwangsläufig zu uns geführt. Die Tatsache, dass er sich uns bei Hagenbeck als Jake Armittage vorgestellt hat (einer der legendärsten Decker jemals) hätte uns ein Indiz dafür sein müssen, dass er zu jenem Zeitpunkt schon keine einzige Rosine mehr in seinem Hirnkuchen hatte.

Immerhin wissen wir jetzt, dass die Beweisdokumente, von denen Dietrich erfahren hatte, in Serverraum 8 im 10. Stock eines Konzerngebäudes in der City Nord zu finden sind. Genau, der Hochsicherheits-Konzernland-Teil der City Nord mit eigener Hansec- und Dronenüberwachung. Wo bliebe sonst auch die Herausforderung?

Doch zunächst wollten wir uns ja mit unserem Cyberfreiheitskämpfer Tauren im Goldenen Drachen in Wandsbek treffen, einer schamlosen Kitsch-Entgleisung von einem China-Restaurant in Trollgröße. Allerdings fielen uns (vor allem Nick) einige Anzugträger-Grüppchen und neugierige Dronen ins Auge, woraufhin wir den Treffpunkt spontan auf Wandsbek Markt änderten. Dort war Tauren nicht sehr schwer zu identifizieren, da sich die Zahl der Ork-Cowboys mit Dreadlocks, Tatoos und toten Cyberaugen ja oft in vernünftigen Grenzen hält. Wir luden Tauren in Okus neues Fahrzeug ein und übergaben ihm, wie abgesprochen, die Daten-Dingsis. Dafür erhielten wir erfreuliche 80.000 Nuyen, die wir natürlich untereinander teilen müssen.

Gutherzig wie wir nun einmal sind, boten wir ihm dann an, ihm beim Beschaffen der Beweise gegen Brackhaven zu helfen. Tauren schien nicht abgeneigt, erbat sich jedoch 24 Stunden Frist, um sich mit seinen Auftraggebern zu beraten. Danach wollte er sich dann bei uns melden. Wir stimmten zu, setzen ihn irgendwo ab … und Nick hängte sich an seine Sporen, um ihn zu beschatten.

Nick verfolgte Tauren bis zum Abaton-Restaurant, wo er sich mit einer Zwergin traf, die wir aufgrund eines vor Ort geschossenen Fotos als Eliza Bloom identifizieren konnten. Sie ist die Mitbegründerin und Anführerin von Project Freedom, einer Geheimorganisation, die sich der Bekämpfung von Metamenschen-Verfolgung und -Diskriminierung verschrieben hat.

Als wir gut einen Tag später in Valeries Wohnung Ninja-Angriffsspuren beseitigten, klingelte ihr Comlink und bewusste Frau Bloom meldete sich – da sie aus Seattle stammt in Englisch. Sie teilte uns mit, dass Project Freedom sehr daran interessiert sei, dass wir den Run für sie übernehmen. Sie bot uns 70.000 Nuyen für den Job sowie zusätzliche 70.000 für Ausrüstung, die wir für den Run kaufen können. Darüber hinaus hatte Frau Bloom eine besondere Dreingabe im Petto: sieben Artemis Nightwing Ultraleichtflugzeuge. Der Grund für dieses Extra ist, dass wir wahrscheinlich nur über das Dach eine Chance haben, in das hervorragend gesicherte Konzerngebäude zu gelangen – zumal sich unser Ziel im 10. Stock befindet. Ein kleines Problemchen stellen allerdings noch die Luftabwehr-Raketen auf dem Gebäude dar. Aber die kann man ja während des Anflugs noch bequem hacken. Jedenfalls hoffe ich, dass jemand von uns – ach, was rede ich – dass Oku das kann. Valerie ist in solchen Sachen ja auch sehr behände, wenn ich mich recht entsinne.

Anima wollte sich vorsorglich schon einmal im Luxushotel Radisson in unmittelbarer Nähe unseres Zielgebäudes einmieten.

Da die ganze Sache schon wieder ebenso irrsinnig wie idiotisch klingt, bin ich mir absolut sicher, dass wir den Auftrag annehmen werden.

Ach, du blödes Tagebuch. Es gibt Zeiten, in denen kommt mir das alles noch unwirklicher als sonst vor. So, als seien wir alle nur fiktive Figuren in einem absurd übertriebenen Cyberspiel. Und wer weiß? Vielleicht es ja auch so. Aber wird es dadurch einfacher für mich, mit einem Ultraleichtflugzeug auf einem Konzerndach zu landen? Oder auch nur, mir das monotone Gedröhne von Okus Stimme anzuhören? Nein, denn das Leben als Shadowrunner ist nun einmal brutal und meistens kurz.

Aber immerhin ist es unser Leben.

Jeder Einzelne von uns hat es selbst gewählt. Und natürlich haben wir alle unsere ganz eigenen kleinen Gründe und Ziele, denen wir nachjagen. Aber eines verbindet uns alle: Der Mut, unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Nicht irgendeine von Konzernen vorgezeichnete Existenz zu fristen. Dieser Mut ist es, der unsere Gruppe von Sonderlingen zusammengebracht hat. Und für ihn respektiere ich jeden einzelnen Idioten in unserer kleinen Bande. Sogar Oku. Schließlich ist er ein Shadowrunner. So wie ich.

Comments

chummer Pasetti

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