Shadowrun-HH

Wohnungsbesichtigungen

Liebes, gutes Tagebuch. Ich sitze hier bei einem türkischen Mokka in Avnis … Kommune und bin heilfroh, dass ich eine Ausrede habe, nicht in meine Wohnung fahren zu müssen. Bittersüß wie mein Soja-Mocca ist es, an diesem Ort zu weilen. In diesem Haus voller Familienmitglieder, in dem jeder Freund von Avni einfach nur das ist – ein Freund. Das weckt Erinnerungen daran, wie es ist, ein echtes Zuhause zu haben und nicht nur eine Unterkunft. Außerdem habe ich unbewusst Angst davor, wer bei meiner Wohnung auf mich warten könnte. Aber nein, wenn man es denkt oder gar schreibt, dann ist es ja nicht mehr unbewusst … Mein Gott! Jetzt langweile ich mich schon selbst! Da hilft nur, die Gedanken flugs zu den spannenden Vorkommnissen des noch jungen Tages fliegen zu lassen:

So wie es aussieht, ist die sentimentale Nazi-Gespielin, die wir der Freiheit, sich umzubringen, beraubt haben, nun auch jenseits von Böse. Ein weiteres Opfer der Unterhaltungselektronik. Will sagen, ein sinnvolles Gespräch mit ihr ist unwahrscheinlicher denn je. Nur jene ärztliche Hilfe, die man mit viel Nuyen kaufen kann, würde sie nun noch retten.

Ah, leiderprobtes Tagebuch, anscheinend geht es gleich weiter zu neuen, prächtigen Heldentaten. Wir sprechen uns später …

So, braves Tagebuch, nun sitze ich wieder in Avnis Bus und kann Dir von den augusten Ereignissen der vergangenen Stunden berichten: Aus unerfindlichem Grund waren wir der Auffassung, dass sich eine fehlende Chip-Sache aus Stefan Alexanders Cyperauge vielleicht noch in der Wohnung unserer Emma Braun befinden könnte. Also fuhren wir erneut zum Katzenmordort, um nach so einem verdammten Ding zu suchen. Und, ach ja: Auf dem Weg dorthin haben wir unsere fortgetretene Fascho-Femme-Fatal noch in ein Krankenhaus eingewiesen, zusammen mit einer leidlich großen Menge Geldes. Danach ging es dann wieder in den humorvoll benannten Stadtteil „Hoffnung“.

Da Nick, unsere kleine russische Bauernweisheit, offenbar auf Detektionszauber spezialisiert ist, war er der Zwerg der Stunde und machte sich folglich auf den Weg zu Emmas Ex-Wohnung. Dieser Weg wurde ihm jedoch von „besorgten Nachbarn“ verstellt, die im Übrigen auch bereits Emmas Habseligkeiten ausgeräumt hatten und die wenigen Wertsachen zum Verkauf anboten. Was nun folgte, war eine beeindruckende Demonstration der Tatsache, dass große Intelligenz nicht zwangsläufig mit Schlauheit oder gar Friedfertigkeit einhergeht. Nicks Drohung, seine Gesprächspartner „abzuknallen“ verdient einen Eintrag ins Schwarzbuch der Diplomatie und ließ uns um einen Übertragungsfehler des Funkgeräts beten. Zum Glück konnte Nick eine Eskalation doch noch vermeiden und kehrte zu uns im Bus zurück. Als Plan B durfte ein weiteres Mal Onkel Unsichtbar herhalten. Da ich indes keinen Schimmer habe, wie solch ein Chipding ausschaut, wurde ich freundlicherweise von Avni im Astralraum begleitet. Außer einer großen Verunreinigungswolke in jenem Astralraum, die zweifellos durch das Leoparden-Lynchen entstanden war, gab es dort aber leider nichts von Interesse zu entdecken.

Einigermaßen entmutigt machten wir uns nun auf die Suche nach einer neuen Spur. Bei unseren Recherchen fanden wir Stefan Alexanders Todesanzeige, aufgegeben von seinem Arbeitgeber Multitech. Darin stand zu lesen, dass Alexander bei einem Autounfall gestorben sei und man mangels Familienangehörigen doch bitte von einem persönlichen Abschied absehen solle. Wie wir außerdem feststellten, hatte es kürzlich in dem Ohlsdorfer Nekroplex, in dem Alexander beigesetzt sein soll, eine Explosion gegeben, die 15 (Meta-)Menschen das Leben gekostet haben soll. Angeblich soll ein Gasleck der Auslöser gewesen sein.

Mehr als genug Gründe für uns, um die Fahrt zu besagtem Nekroplex in Ohlsdorf anzutreten. Für mich hat sich die Fahrt schon aus ästhetischen Erwägungen gelohnt. Ohlsdorf ist ein ungeahnt schöner Stadtteil, wie ich feststellen konnte. Und die Nekroplex-Gebäude sind architektonische Perlen. Beruhigend, dass es zumindest im Tod möglich ist, in dieser Stadt stilvoll zu residieren. Alexanders Nekroplex-Bauwerk ist eine schwarze Pyramide mit Romben aus Obsidian, in der ein hässliches Detonationsloch prangt. Der Parkplatz davor war leer. Wie wir dann feststellen durften, war dies aber auch kein Wunder, denn das Gebäude war noch immer für den Publikumsverkehr geschlossen. Eigentlich ist es ja auch mal ganz erfrischend, zu einem Gebäude zu fahren, in dem sich eine schreckliche Tragödie ereignet hat, noch BEVOR wir dort angekommen waren. Aber wer weiß, der Tag ist ja noch lang. Reichlich Zeit also für ein paar selbstgemachte Tragödien …

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chummer Pasetti

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