Shadowrun-HH

Shootingtermin mit Eingeborenen

Oh, Du schönes Tagebuch! Du ahnst ja nicht, wo ich gerade bin. Nein, nicht Bielefeld oder Mannheim. Ganz kalt. Hier ist es viel wärmer. Fast am Äquator. Immer noch keine Ahnung? Nein, wie auch. Irgendwie glaube ich’s ja selbst nicht.

Ich, wertes Tagebuch, befinde mich in Nigeria. Genauer gesagt in einer Brandschneise mitten im Busch, nicht allzu weit entfernt von Lagos. Genau, Lagos, bevölkerungsreichste Stadt Afrikas, in der ein Menschenleben nicht mal eine Ohrenspitze wert ist. Wir werden blendend dort hineinpassen. Überhaupt passt Afrika gut zu uns, denke ich.

Hier sitze ich nun, in unserem kleinen Flugzeug, das hier notlanden musste, weil es von einer Bande von Orks des Ibo-Volkes abgeschossen wurde. Diese armen, törichten Ibos haben dann den Fehler gemacht, uns anzugreifen – vermutlich, weil sie uns für fette Beute hielten. Wenn sie gewusst hätten, wen dieses Flugzeug trägt, wären sie so schnell wie möglich in die andere Richtung gerannt. Aber sie wussten es nicht. Und so haben wir sie massakriert. Eigentlich sehr passend, dass hier in der Wiege des (meta-)menschlichen Lebens das evolutionäre Recht des Stärkeren noch so pur Anwendung findet. Wir leben, die Ibo sind tot. Wir waren stärker. Ganz in der Tradition ach so vieler Besucher aus dem fernen Europa.

Unser Pilot, eine unheimliche Menschmaschine names Oku, ist ganz scharf auf ein Geschütz, das die Ibo auf einen Jeep geschraubt hatten. Ich glaube, er nannte es Pantherkanone. Tja, ich gebe zu, dieser Oku beschäftigt mich. Er wirkt ja ganz freundlich. Oder vielleicht sollte ich lieber sagen, ES wirkt ja ganz freundlich. Schließlich hat er/es nicht einmal mehr menschliche Augen, in die man sehen könnte. Stattdessen glotzen einem zwei kalte Metallsphären entgegen, in denen man höchstens sein eigenes Spiegelbild sehen könnte. Würde man eine Kaffeemaschine freundlich nennen, weil sie einem einen schönen Tag wünscht? Vielleicht aber ist es auch ein verständliches Ansinnen, sich so weit wie möglich der Menschlichkeit zu entledigen, wenn man wie Oku in Lagos aufgewachsen ist. Offenbar hat er als Kind durch einen Zufall irgendeinem Petromanager, der in Lagos eine Panne hatte, das Auto repariert. Nach allem, was ich so über die Stadt gehört habe, kommt dies einer Lebensrettung gleich. Ganz untypisch hat sich dieser Manager dann offenbar revanchiert und dem Jungen eine exzellente Ausbildung zum Fahrzeug-/Cyberzeugs-Ingenieur in Cambridge (ja, England!) ermöglicht. Wozu er die braucht, wenn er ohnehin inzwischen mehr Rechner als Mensch ist, bleibt mir milde rätselhaft. Schöne neue Welt. Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn der Kerl einmal einen Absturz erleidet, an dem kein Flugzeug beteiligt ist. Dann wäre ich lieber nicht in der Nähe. Und die anderen versuchen schon, ihn für unsere kleine Bande zu gewinnen. Na ja, ich schätze, Nervenbahnen können genauso durchschmoren wie Schaltkreise. Ich bin wohl einfach im falschen Jahrhundert geboren.

Jedenfalls sagt die Maschine Oku, dass er die Maschine Flugzeug bis 8 Uhr morgens wieder startklar gemacht haben wird. Wunder der Technik.

Und dann geht es in den Moloch Lagos. Mir tut die Stadt jetzt schon leid.

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chummer Pasetti

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