Shadowrun-HH

MAYHEM

Meine liebe Katya,

seit wir zuletzt gesprochen haben sind viele Monate vergangen und noch längere Zeit, seit wir einander zuletzt umarmt haben. Du fehlst mir, meine Schwester, und die Umstände meines damaligen Aufbruchs und der Grund meines Fortgehens stimmen mich umso trauriger.
Auf meiner erfolglosen Suche nach Misha bin ich inzwischen immer mehr zu einer Schattengestalt geworden und Tod und Zerstörung sind Teil meines Alltags. Ich kann mir vorstellen, dass du mich so kaum wiedererkennen würdest, Katya, aber dennoch habe ich die Entscheidung fortgegangen zu sein nie bereut – bis zu den Ereignissen der letzten Tage.

Alles nahm seinen Lauf mit gleich zwei Aufträgen, mit denen ich nun mal mein Geld verdiene und die wichtig sind, um neue Kontakte für meine Suche zu knüpfen.
Ich habe dir ja vor einiger Zeit von meinen neuen Gefährten hier in Hamburg erzählt! Gestern sind wir alle nun beim ersten unserer beiden Jobs in einen gewaltigen Hinterhalt gelockt worden. Zwar konnten wir dank der magischen Fähigkeiten und der Kampfstärke meiner Freunde die Stellung halten, aber wir mussten uns schließlich trotz unserer kleinen Festung in Form von Ókù’s fantastisch ausgestattetem Bus geschlagen geben.

Es prasselte alles auf uns ein: Granaten aus den herannahenden Hubschraubern, Dauerfeuer aus den Vans und immer mehr Fußvolk von Nestlé-Security, denen wir offenbar diesmal auf die Füße getreten waren. Am Ende waren wir fast alle schwer verwundet, Nick konnte sich nur noch kriechend aus dem Park bewegen, Valerie lag bewusstlos über meiner Schulter und Arti brachte mit aller Kraft durch seine Drachen-Illusion einen Hubschraube zum Absturz.
In diesem Szenario tauchte aus dem Nichts ein scheinbar rettendes Fahrzeug auf und die Heckklappe öffnete sich: „Kommt ihr, oder wollt ihr euch zusammenschießen lassen?“
Genau das war unsere Wahl in diesem Moment: Hier direkt draufgehen oder zu den drei Leuten in das Auto springen und abhauen. Per Funk war geklärt, dass Pauli, Nick und Talli klarkommen würden – also haben Ókú, Arti und ich uns mit der bewusstlosen Valerie in das fremde Auto gerettet.

Von diesem Augenblick an ging alles erst richtig den Bach runter und die folgenden Ereignisse sind einer der Gründe, warum ich dir diese Zeilen sende und die Entscheidungen getroffen habe, deren Konsequenzen ich nun ziehen werde:

Wir gaben erst mal unseren vermeintlichen Rettern ein Ziel für unsere Flucht an, landeten aber stattdessen erneut in einer Falle – genau genommen auf einem verlassenen Fabrikgelände in Altona.
Als wir den Hinterhalt erkannten war es aber schon zu spät: Betäubungsgas strömte in den Wagen und obwohl ich einen unserer Entführer noch nach der Auslösung des Gas-Mechanismus mit einem gezielten Schuss ausschalten konnte, gingen wir alle bewusstlos zu Boden. Danach wurde es unangenehm.

Während Pauli, Nick und Talli sich ahnungslos selbst in Sicherheit brachten, landeten wir anderen in einer gekachelten Zelle und wurden per Strom-Folter zu den Ereignissen und all unseren bisherigen Aufträgen befragt. Dabei wurde Arti von Anfang an unter Drogen gesetzt – wohl um seine magischen Kräfte außer Gefecht zu setzen – aber zu den Verhören haben sie ihn immer wieder klar bekommen. Unser Folterknecht war ein Doktor Was und seine Schergen waren Veteranen-Typen in Armee-Uniformen. Im Verlauf der „Befragungen“ stellte sich heraus, dass bei unserem letzten Auftrag in Waldmünchen ein kleines Souvenir von dem Elfenauftrag involviert war: In einem verschlossenen Koffer, den wir vor Ort zurücklassen sollten, befanden sich anscheinend die abgeschnittenen Elfenohr-Spitzen der Para Nobilis-Spinner. Wie es aussieht, wurden wir über einen längeren Zeitraum eingesetzt, um gezielt Kriege anzuzetteln und Chaos auszulösen. Und dieser Auftragskiller Richards hängt Knietief drin in der Sache.
Während unsere Gefährten sich inzwischen da draußen auf die Suche nach uns machten und unsere zweite Auftraggeberin des Tages, Nadine, um Unterstützung hierbei baten, wurden wir jetzt also irgendwo in Altona langsam zu Tode getoastet. Als wir alle schließlich schon mehr tot als lebendig in unserer Zelle lagen, hatten wir plötzlich eine seltsame Begegnung mit dem Spielauto eines offenbar Geistig Zurückgebliebenen, das durch die Gitter unserer Zelle fuhr. Unsere Versuche, das Auto gegen eine Chipkarte für unsere Zellentüre einzutauschen waren wenig erfolgreich und endeten für mich mit einer Kugel aus der Waffe des Bruders von dem Typen in meinem Schädel.

Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eigentlich nur noch hämmernde Kopfschmerzen und die folgenden Ereignisse waren für mich etwas verschwommen…

Scheinbar hatten die anderen inzwischen geredet und dem Doktor-Typen erzählt, was er hören wollte, denn ich kam später in Pauli’s Wagen kurz wieder zu mir. Außerdem konnte ich mich noch vage daran erinnern, das ein Freund des Typen, den ich im Wagen wegen der Gas-Attacke erschossen hatte, wiederum auf mich geschossen hatte.
Dazwischen bleibt bei mir eigentlich nur ein grelles Licht, aber die anderen haben mir berichtet, dass sie schließlich im Freien wieder zu sich kamen und dass Arti mir nach unserer überraschenden Freilassung wohl das Leben gerettet hat.
Pauli, Nick und Talli hatten uns zur selben Zeit erfolglos gesucht und dabei festgestellt, dass Richards Telefonnummer inzwischen nicht mehr erreichbar ist. Von Nadine haben sie außerdem erfahren, dass unser zweiter Auftrag dieses Tages darin besteht, einen Sextanten zu der von uns in Lagos „erstandenen“ Karte zu besorgen, da diese sonst nicht lesbar ist. Ein neuer Diebstahl auf unserer Liste…

Katya, du wirst dich fragen warum ich dir das alles jetzt nach längerer Zeit so ausführlich schreibe. Seit meinem nahen Tod und den Hinterhalten, in die wir geraten sind, habe ich viel über die Entscheidungen nachgedacht, die ich in den letzten Jahren getroffen habe und welche Abwege ich gewählt habe mit dem Ziel, um jeden Preis einen Hinweis darauf zu bekommen, wie ich Misha wiederfinden kann. Die letzten Tage haben mir gezeigt, dass es in meinem Leben inzwischen gar nicht mehr um ihn geht. Ich werde von diesem Lebensstil aufgesogen und von meinen Zielen, den Gründen warum ich Salzburg eigentlich verlassen habe, ist kaum noch etwas übrig geblieben. Stattdessen habe ich Anya und dich alleine in der Gefahr zurückgelassen, der ihr jeden Tag ausgesetzt seid. Meine Entscheidung steht nun fest: Sobald ich wieder zu Kräften gekommen bin werde ich mein jetziges Leben aufgeben und zu euch zurückkehren, um dich bei der Suche nach deinem Kleinen zu unterstützen. Ich hoffe, dass ich euer Vertrauen noch nicht verloren habe und kann es kaum erwarten euch wiederzusehen!

Ich umarme dich und sende dir Grüße
Ivanka

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chummer rivorange

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